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Nichts ist gelber als Gelb selber

Aktualisiert: Jan 5

über die freundlichste Farbe im Farbkreis



Die Lieblingsfarbe meines "kleinen" Patenkinds Stella ist gelb. Ihre Schwester Jana ist nicht so entschieden für eine Farbe zu haben. Nachdem wir ihr Zimmer irgendwann von Prinzessin-Lilifee-Rosaglitzer befreit hatten, ist sie jetzt sehr zurückhaltend.


Gelb jedoch scheint sich Freunde für's Leben zu machen, Stella liebte diese Farbe schon als Kleinkind.



Gelb ist fröhlich, es leuchtet und es ist warm.


Es kann aber auch richtig fies sein, grünlich-neidisch daherkommen oder schmutzig wirken, je nachdem, wieviel Grün oder Rot in der Farbe steckt.

Natürlich hat es auch mit unserem Kulturkreis zu tun.

Dass im Mittelalter die Farbe so negativ besetzt war, hatte vor allem technische Gründe: man konnte die Farbe nur schwer herstellen, das Ergebnis war nie leuchtend, sondern eher schmutzig und ließ die Haut kränklich wirken. Da es aber im Dunkeln immer noch gut zu erkennen war, wurde Gelb als Warnfarbe eingesetzt.


Auf Schiffen mit Kranken wurde eine gelbe Flagge gehisst. Huren mussten Gelb tragen, ebenso ertappte Betrüger. Kein Wunder, dass sich ein mittelalterlicher Gelb-Fanclub nicht so recht etablieren konnte.


Anders in Asien: hier wurden mehr Seidenstoffe verwendet, Safran als Grundstoff war reichlich vorhanden und gelbe Stoffe lassen asiatische Haut nicht kränklich wirken.

Et voilá: das Gelb leuchtet, hat einen satten Rot-Anteil, wird mit Gold verglichen, sieht gut aus und wird prompt Farbe des Kaisers.




Wenn Sie Lust auf etwas Gelbes in Ihren vier Wänden bekommen haben, sollten Sie über folgende Punkte nachdenken:




Gelb ist wahnsinnig empfindlich.


Ein Fleck drauf - und schon ist der Glanz hinüber. Der Fleck macht das Leuchten des Gelbs zunichte, es wirkt schmutziger als es in Wirklichkeit ist (bei Beige beispielsweise mogelt sich ein Fleck irgendwie ein, er schreit einen nicht so an wie bei Gelb).

Ein gelber Teppich ist also etwas für Mutige, und ein gelbes Sofa für sehr Mutige. Man kann sich noch so in Acht nehmen, das wirkliche Leben holt einen immer ein. Halten Sie sich bei Objekten des täglichen Wahnsinns also lieber etwas zurück, wenn es sich um Gegenstände handelt, die Sie nicht leicht reinigen können (wenn Sie aber zum Wachwerden gerne gelbe Fliesen im Bad hätten, bin ich die Erste, die Ihr Vorhaben unterstützen wird).




Welches Gelb?


Das hat tatsächlich etwas mit der Mode zu tun, davon kann sich niemand ganz frei machen, auch nicht ein Profi wie ich.

Farbmoden wiederholen sich ca alle 30-40 Jahre, also nach einer Generation. Trotzdem sind die Gelb-und Orangetöne aus den 70ern ganz anders als die, die wir heute mögen.


Das heute moderne Gelb ist grünlich und wirkt viel frischer als das rötliche 70er Gelb, das Wärme ausstrahlt. Zuviel Zitrone jedoch macht sauer. Und zuviel des guten-Laune-Gelbs kann einem ganz schön auf die Nerven fallen, wenn man Mitte November mit einer dicken Schnupfennase im Bett liegt.

(Deswegen ist man auch davon abgekommen, Krankenhäuser mit dieser Farbe zu gestalten. Wenn es einem nicht gut geht, kann man dieses fröhliche Juhu des Gelbes nicht so gut um sich haben.)




Und mit anderen Farben?

Ein schlichter Begleiter bringt Eleganz.


Gelb liebt Grau. Ober besser: Grau liebt Gelb.


Da ist dann gar nichts mehr müde, das Gelb leuchtet, das Grau kommt nicht einmal in der Verdacht der Tristesse.



Gelb und Schwarz:


die Charlie-Braun-Farbkombination ist seht stark, expressiv und mutig. Nicht umsonst ist es eine klassische Warnfarbe in der Natur und heißt "Vorsicht, ich bin gefährlich!". Das mag für einen Fußballklub prima funktionieren, aber Zuhause sollte die Dosierung gering ausfallen.



Gelb und Weiß:


fröhlich, fröhlich, fröhlich! Und ein klein wenig etepetete, weil sich da zwei zusammentun, die sagen: flach atmen, nichts anfassen, Schuhe aus, keine Schokolade.

Und würden wir das auch das ganze Jahr über mögen? Wenn man im Juli auf einer Terrasse mit Blick auf das Mittelmeer sitzt: unbedingt. Ende Oktober im duster werdenden Münsterland wahrscheinlich nicht. (Und auch hier wieder: die Materialien machen es aus. Gelbe Kaschmirwolle  ist ganz anders als gelbe Baumwolle.)



Gelb und Taupe:


sehr elegant, aber man muß bei den Taupetönen darauf achten. dass nicht zu viel Braun darin ist, sonst wird es soßig. And by-the-way: Gelb und Braun: nein, bitte nicht.


Blau und Gelb:


eine sehr klassisch-elegante Farbkombination. Auch Rot und Gelb oder Grün und Gelb gehen ganz hervorragend miteinander um. Es kommt immer auf den Tonwert, den Grauwert, das Material und die Menge an.


Aber dennoch können sich auch starke Farben zu einem guten Stil zusammenfügen. Wir sind hier ein wenig mutlos und trauen uns zu wenig. Jonathan Adler z.B. ist ein Meister der mutigen Farbkombinationen, wie ich finde, und auch in Frankreich - da genügt ein Blick in die Musterbücher der Textilverlage, da kommt man aus dem Schwärmen nicht mehr heraus - ist da man wesentlich lustiger unterwegs als wir.




Fazit:

Gelb im Haus? Ja, bitte!


Wenn Sie Ihr Haus zum Leuchten bringen möchten,kontaktieren Sie mich:

hello@nicolabushuven.com


Fröhliche Grüße

Ihre NIC