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"Orange is the happiest color"

Aktualisiert: Jan 5

sagte Frank Sinatra.




Ja, so ist es!

Keine andere Farbe tanzt so fröhlich ein "Hallo, hier bin ich!". Gelb kommt dicht heran, aber ihm fehlt der energische Rotanteil und Rot selbst ist ein wenig zu behäbig dafür. Bei Orange ist man stets auch nahe am Gelb, am Rot oder am Braun - je nachdem, in welcher Farbscala man sich gerade aufhält.


Orange ist laut, aber macht glücklich.


Orange kann einem aber gehörig auf die Nerven fallen - während ein gelb gestrichener Raum durchaus denkbar ist (in der richtigen Nuance), fällt es sehr schwer, sich einen Raum in Mandarinorange zu denken, ohne dabei nervös zu werden. Zumal die meisten Menschen die nachvollziehbare Tendenz haben, sich auf den klitzekleinen Farbkarten einen viel zu kräftigen Ton auszusuchen. Farbe potenziert sich. Im Zweifel nehmen die "langweilige" Farbe und es wird immer noch Farbe genug sein (das gilt für alle). 



Orange verlangt nach Action. Es die Farbe, die mit Tätigkeit verbunden ist statt mit Ruhe. Orange sagt "Hey, lass uns was unternehmen!" oder "Das packen wir jetzt an!" und nie "Ach, wir trinken jetzt erst einmal einen Tee und denken in Ruhe darüber nach." (Das würde Blau wahrscheinlich tun. Und Grün.) Es ist eine Farbe, die wir eher mit Warnhinweisen als mit Eleganz verbinden. Die Golden Gate Bridge würde ich aber als ungewöhnlich - elegant bezeichnen. In einem soliden Grau wäre sie niemals berühmt geworden.


Und deswegen ist Orange im Interior Design mit Vorsicht zu genießen. Es ist laut - aber gibt einem gedeckten Ton den nötigen Kick.



Die Dosis macht es hier wie bei keiner anderen Farbe.

Und natürlich auch der Tonwert. War Orange in den 70ern mit großem Gelbanteil versehen und manchmal sogar ein wenig dreckig, so sind sie heute deutlich roter eingefärbt und ihrer Wirkung wärmer und weniger grell.


Schwächen wir Orange mit Weiß ab, kommt Apricot dabei heraus. Ich gebe zu, das ist eine Farbe, die bei mir nicht vorkommt. Das ist so ein komischer, verwaschener Ton, zu feige für richtiges Orange. Apricot ist auch nicht wirklich rosa, obwohl es hineinspielt. Für mich viel zu niedlich, zu süß und ein bisschen feige. 

(Und wahrscheinlich kommt nächstes Jahr irgendein Interior daher, das genau diesen Ton braucht, um großartig auszusehen.)


Auch die Terracottatöne stoßen bei mir auf wenig Gegenliebe. Dieses Rotbraun ist so eine undefinierte, schlecht greifbare Farbe. Obwohl es gerade ein sehr angesagter Ton ist und sich gut kombinieren lässt. (Ich mag es trotzdem nicht.)



Kleine Exkursion:

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch seine höchst individuelle Farbwelt hat, mit der er sich wohlfühlt. Das hat wahrscheinlich etwas damit zu tun, wie man aufgewachsen ist, in welchen Kulturkreis man sich bewegt und wie man im Ganzen gestrickt ist. Darauf sollte man hören - und es ist absolut wertfrei. Wenn Sie ein Apricot-Fan sind, sollte es Sie nicht verstören oder verärgern, wenn ich den Ton nicht mag.

Ich werde Ihnen sicher eine schöne Einrichtung entwerfen, die Ihren persönlichen Farbvorlieben entsprechen wird. Denn das ist der Unterschied zwischen einer guten Freundin, die Sie wegen ihres guten Geschmacks um Rat fragen, und einem Profi, der seine persönlichen Vorlieben zurückstellen kann, damit Sie ein Ergebnis bekommen, mit dem Sie sich wohlfühlen.






Mich mach Orange glücklich. Es ist meine happycolour.

Die Farbe findet sich überall in unserem Haus. Jetzt gerade parken meine Wasserkaraffe und mein Glas auf dunkel-orangenen Filzuntersetzern auf meinem Schreibtisch. Meine Pinnwand hat orange Magnete. Textmarker kaufe ich immer in Orange. (Davon abgesehen findet Farbe in meinem Büro nicht statt, da ich mir hier individuelle Konzepte ausdenke, die keinen Störer vertragen.)

Eine Hundeleine meiner Hündin ist orange und es steht ihr hervorragend. Ich kaufe Servietten lieber in orange als in einer anderen Farbe und habe heute ein paar Socken erstanden, nur weil ich die Farbe so toll fand. (Und ich vermute, dass sie sogar extra für mich eingekauft worden sind. Das kommt dabei heraus, wenn man Stammkundin ist.)


Material ist wichtig!

Die Dosis ist entscheidend. Und das Material. Plastik in orange ist eine so original 70er Kombination, dass es immer mit "billig" in Verbindung gebracht werden wird. Tulpen und Rosen in orange finde ich einigermaßen widerlich. Ein Auto in orange hat etwas von einem jugendlichen Angeber; dem alten Käfer würden wir das aber nicht unterstellen.


Und bei dieser Farbe spielt die Jahreszeit ebenfalls eine Rolle: Gartenstühle in orange? Na, klar! Es ist warm, es ist hell, es ist luftig. Da ist es kein Problem. Eine Stuhlgruppe in dieser Farbe drinnen wird bei weniger Menschen gut ankommen. Im Haus macht sich die Farbe einfach sehr breit.




Ich mag Orange besonders gerne bei einfachen, geraden Formen, da ich denke, dass es es eine klare, moderne Farbe ist. Violett hingegen ist manchmal ein bisschen zickig. Blau ein wenig nüchtern und Grün schwelgt, wenn man es läßt. Orange ist zwar fröhlich, aber wir haben keine romantischen Assoziationen dazu, wie beispielsweise bei Rosa. Sehgewohnheiten prägen enorm. Die wandeln sich zwar, aber das dauert immer eine Generation oder länger (Ich bin sehr gespannt, was mir in 20 Jahren junge Kunden über ihre Farbwünsche erzählen werden. Das ist die Generation, die jetzt gerade Abitur macht und mit Prinzessin Lilifee und Bob, dem Baumeister aufgewachsen ist.)





Oranje und Möhren.


In den Niederlanden kann man im April, so um den Königstag, jede Mende orangefarbige Accessoires kaufen. Ich mag nicht nur unsere Nachbarn im Norden sehr gerne, sondern auch die Geschichte, die dahinter steckt:

Da die Monarchenfamilie Oranje-Nassau nach der Stadt Orange (F) benannt wurde, liegt es natürlich nahe, Orange zur Nationalfarbe zu machen, wenn man schon mal so heißt.

Warum ist aber die Flagge rot-weiß-blau? Angeblich wurde die Version mit orange-weiß-blau verboten (zwischendurch waren die Oranjer mal nicht so beliebt), vielleicht war es einfach nicht so gut erkennbar auf die Entfernung oder - und dieser Version glaube ich am meisten - man konnte schlicht kein gutes, haltbares Orange herstellen und gab dann irgendwann auf. Ist ja ein bisschen peinlich, wenn Nachbarskönig zu Besuch kommt und die eigene Flagge ist nicht so, wie sie sein soll.


Was ich aber viel interessanter finde:

Möhren waren nicht immer so orange wie wir sie jetzt kennen. Die Knolle, die nicht mal sehr gut schmeckte, kam im 17. Jahrhundert aus Übersee nach Europa und war eher gelb oder violett.


Holländische Bauern züchteten eine orange Variation davon, zu Ehren von Willem I van Oranje, das nenne ich mal Monarchen-Marketing!





Farbkombis mit Orange



Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, etwas mehr Leben in Ihre Einrichtung zu bringen, ist Orange die Farbe Ihrer Wahl.



Orange mag dunkle Töne:


Schwarz, Dunkelgrau, Taupe, Dunkelblau, Violett, Dunkelgrün.


Diese Farben bekommen durch Ihre neuen Accessoires einen Kick und strengen sich ein bisschen mehr an. Grau kommt weniger müde daher, Schwarz weniger elitär, Lila verlässt die Aura des Geheimnisvollen.

Schauen Sie sich einmal die Werke von Henri Toulouse-Lautrec an. Er benutzte gerne ein Rot-Orange in der Kombination mit Schwarz. Das sind sehr energiegeladene Bilder.





Orange mag Hell.


Auch mit helleren Tönen lässt es sich kombinieren:

Hellgrau, Flieder, Saftgrün, Gelb, Bleu und natürlich Weiß.

Dann ist aber ordentlich was los! Das strahlt um die Wette und kann ein bisschen anstrengend werden. Halten Sie sich vielleicht mit diesem Farben ein wenig zurück - es sei denn, Sie mögen es lebhaft.

Auch mit Rot zusammen entzünden Sie ein kleines (oder größeres) Feuerwerk.


Wenn die Töne einen Grauschleier haben, sprich ein wenig mit grau abgetönt sind, geht es jedoch ganz wunderbar. Dann sind die Farben deutlich ruhiger, ohne diesen niedlichen Touch der Pastellfarben zu verbreiten.




Die richtigen Hölzer für Orange.


Mit Hölzern ist es so eine Sache. Orange hätte gerne etwas Gedämpftes in einer anderen Farbe als Basis. Ein Bucheparkett ist, vereinfacht ausgedrückt, auch orange. Ein Ahorn ist gelblich, eine Eiche kann auch mal in diese Richtung gehen und das alles ist nicht hübsch, wenn Sie einen großen Anteil Orange planen. (Ich meine nicht das einzelne Sofakissen.)

Besser sind Hölzer wie Wenge, geräucherte oder geweißte Eiche. Das gilt auch für Weichhölzer,



Das wirklich Schöne an dieser Farbe ist - da Sie sehr wahrscheinlich keinen ganzen Raum in Orange denken - dass Sie sich herantasten können. Nehmen Sie ein paar Kissen, ein oder zwei Kerzen, ein Stück Kunst mit einem interessanten Orange-Farbton und probieren Sie. Vielleicht fehlt noch eine Decke oder Sie lassen die Rückwand Ihres Bücherregals in orange lackieren.


Es gibt übrigens auch hervorragende Stoffe in dieser Farbe:


Denken Sie einmal darüber nach, wie es wären, wenn Sie die hellen Vorhänge im Winter sorgfältig eintüten und dafür eine weichfallende, leicht angeraute Baumwollware zum Einsatz bringen würden. Da kann man den Thermostat gleich ein wenig herunterdrehen.

Solche Gardinen filtern den November zuverlässig heraus.


Keine Angst vor dem wilden Orange!


Wenn ich Ihnen nun die Angst vor dieser wilden Farbe genommen habe und Sie bei der Auswahl unterstützen soll, rufen Sie mich gerne an.


Fröhliche Grüße

Ihre

Nicola Bushuven





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