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Rot - die ursprüngliche Farbe




Dass ich ein großer Fan von Farben bin und auch ungewöhnliche Töne gerne einsetze, ist kein Geheimnis.


Aber es gibt wohl kaum eine Farbe, zu der ich ein so gespaltenes Verhältnis habe wie zu Rot. Nun könnte ich es mir sehr einfach machen und einfach sagen "Ach, ich mag es halt nicht". Aber das wäre nicht richtig. Ich mag Rot.


Doch nur bei ganz wenigen Dingen.



Farbe ist vom Objekt nicht zu trennen und bei keiner anderen ist das so ausgeprägt wie bei Rot.



Nie im Leben würde ich mir ein rotes Auto zulegen, nicht mal einen alten Käfer.


(Der unerreicht und jenseits aller Vernunft immer noch mein Lieblingsauto ist. Und den mag ich prinzipiell in allen Farben, auch in denen, die in meinem persönlichen Wohlfühl-Farbspektrum keine Rolle spielen.)










Ebensowenig ein rotes Sofa oder ein Sideboard.

In regelmäßigen Abständen war mein Ex-Chef der Meinung, wir müssten mal was mit Farbe in der Ausstellung haben und hat ein rotes Sideboard bestellt.


Es war immer das Ding, das meine Kolleginnen und ich am wenigsten mochten und gerne schnell wieder loswerden wollten. Aber trotz Sonderpreis blieb es uns meist lange erhalten. Wir haben uns später auf rote Sessel geeinigt. Das ging wesentlich besser.







Niemand kann an Rot vorbeigucken.


Man betritt einen Raum und nimmt das rote Element als erstes wahr.

Sicher wollen auch Orange, ein fideles Gelb oder ein kräftiges Blau unsere Aufmerksamkeit haben und geben sich alle Mühe, die auch zu bekommen.


Aber zu Rot haben wir eine tiefe, kulturelle Verbindung.






Rot ist die Farbe der Farben



Wenn Sie jemanden bitten, eine Farbe zu nennen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie „Rot“ antwortet, sehr groß. Rot ist eine der drei Urfarben: Rot, Blau, Gelb.

Sie ist also rein und unvermischt. Und so urtypisch, dass sie in einigen Sprachen für mehrere Dinge herhalten muss:


Im Russischen ist das Wort für „Rot“ (кгасныи „krasni“) sehr ähnlich dem Wort für „Farbe“ (кгаска „kraska“) und auch dicht dran an „schön/gut“( кгасиво „krasiba“). Der „Rote Platz“ ist also auch gleich dem „Schönen Platz“ und dem „Guten Platz“.

Das ist im Spanischen ähnlich: “colorado“ bedeute sowohl „farbig“ als auch „rot“.




Rot war immer schon Signal für Wärme (Feuer), was in den Zeiten vor der Zentralheizung essentiell für das Überleben war. Es symbolisiert Geborgenheit und Nähe und da es auch für reife, essbare Früchte steht, ebenso Nahrung.

Wichtige Bedeutungen also. 







Blutrot


Dass wir zu unserem Lebenssaft eine sehr besondere Beziehung haben, ist nur natürlich. In der Geschichte der Menschheit finden sich zahlreiche Geschichten und Mythen dazu, viele davon sind aus heutiger Sicht sehr grausam, beinhalten sie doch Menschen- und Tieropfer.

(Da reden wir doch lieber über die Farbe, nicht wahr?)

Und natürlich gibt es hier auch sprachlich Parallelen: im Herbräischen haben die Worte für “Blut“ und „Rot“ den gleichen Stamm.


In der Wertschätzung unseres Blutes ist sicher auch eine Ursache für die überwiegend positive Bedeutung für Rot zu suchen. Lange galt die Farbe als Glücksbringer, der die bösen Geister verjagt. So trugen Babys und Kleinkinder gerne rote Mützchen, um sie zu schützen. Dieser Usus ist noch nicht so lange außer Mode.

In China ist Rot die Glücksfarbe überhaupt.



Ebensoleicht läßt sich die Verbindung vom Blut zur Liebe herstellen.

Rot ist die Farbe der Liebe.

Ich glaube, das gilt weltweit. Kein Valentinstag ohne rote Herzchen und rote Rosen.

Das Rot steht übrigens für die leidenschaftliche Liebe. Rosa wäre die zarte, unschuldige Variante.


Und wo die Liebe ist, kocht auch gerne mal das Blut (da ist es wieder); Liebe kann zur Raserei werden, zum Hass; zur Ursache von Krieg und Verderben.

(Das beste Beispiel dafür die die Entführung der schönen Helena nach Troja.)

Man widmete Mars, dem Gott des Krieges, die Farbe Rot. Und der rote Planet wurde auch gleich nach ihm benannt.


Rot ist die männliche Farbe, die Farbe der Aktion - im Gegensatz zum Blau, der ruhigen, weiblichen Farbe (weshalb kleine Jungs früher rosa, also das “kleine Rot“ trugen und Mädchen “das kleine Blau“ - hellblau.)




Das Rot der oberen Zehntausend


Und weil diese Farbe teuer in der Herstellung war, blieb sie lange Zeit den oberen Schichten vorbehalten, ähnlich wie alle klaren Farben. Wischi-waschi Mischfarben im Grünbraunbereich konnte man leicht aus Wurzeln und Beeren herstellen. Aber für Rot brauchte man besondere Rohstoffe (Läuse z.B.), die nicht am Wegesrand wuchsen.


Rote Kleidung war also eine sehr vornehme und kostspielige Angelegenheit und ich frage mich oft, warum man unbedingt regulieren wollte, dass die „niederen Schichten“ die schönen Farben nicht tragen durften.

Sie hätten es sich sowieso nicht leisten können.


Immer noch assoziieren wir Rot mit königlichen Gewändern. Daran sind sicher auch die Mantel- und Degenfilme schuld. Hollywood hat es nicht so mit geschichtlicher Akkuratesse. Man will ja eine Geschichte erzählen und nicht Geschichte dokumentieren. Das kann man gelten lassen, aber ich bin immer wieder beeindruckt, wie sehr unser Bild der Welt davon geformt wird.

Und jetzt haben wir auch noch Instagram & Co. (Was ich im Übrigen sehr liebe und nutze - das soll keine Herabwürdigung dieser Medien sein. Aber sie verschieben merkbar unsere Wahrnehnung und Einschätzung der Dinge.)





Das böse Rot



Nun kommt noch eine andere Bedeutung hinzu und die ist noch nicht so alt:

Rot ist auch die Farbe der Arbeiterbewegung und des Kommunismus. Also das Gegenteil zu den Royals.

Ob jetzt der Kommunismus hier aufgrund der Greueltaten unter Stalin und Mao so schlecht angesehen ist oder weil wir grundsätzlich der Idee mißtrauen, ist ein sehr weites Feld - aber die Farbe Rot hat dadurch einen sehr negativen Aspekt in unserem westlichen Sprachgebrauch bekommen.

Auch die Nazis haben Rot - eben aufgrund der Verbindung dieser Farbe zur Arbeiterbewegung - benutzt. Solche Entscheidungen sind nie zufällig.



Es gibt auch noch andere, negative Verknüpfungen zu Rot:

das „Rotlichtviertel“ ist nicht der Ort, wo man eine Immobilie für die Familie erwerben möchte, dem „Rotstift“ fallen Arbeitsplätze zum Opfer (nie dem schlechten Management) und „Rot sehen“ steht für ungehemmte Aggression.


Und wer trägt noch Rot? Natürlich, der Teufel in seinem Höllenfeuer. Und er kombiniert mit Schwarz. (Seltsam nur, dass wir diese Farbkombi in der Regal als elegant empfinden. Möchte ich das interpretieren? Eher nicht.)





Sonderangebot! Sonderangebot!






Natürlich ist Rot ein Warnsignal. Heute müssen wir das durch Neonfarben ersetzen, weil wir allen möglichen Farben leicht produzieren können und unsere Welt einiges bunter ist als vor 1920.

Dennoch lesen wir den Ton immer noch als „Hier ist was los!“ oder "Pass auf!"


Dadurch, dass viel, was wichtig gemacht werden soll, rot gedruckt oder gefärbt wird, bekommt die Farbe bisweilen einen schalen Beigeschmack. Es kann schnell in‘s Billige abrutschen, weil es so vorlaut und banal ist.


Die Idee „Rot bekommt Aufmerksamkeit“ hat sich abgenutzt und ist in der guten Werbung passé - trotzdem flattern uns immer noch diese furchtbaren Zeitungsbeilagen und Flyer mit den Sonderangeboten der großen Lebensmittel- und Möbelhausketten unaufgefordert in‘s Haus.


Da die nun mal gerne Rot einsetzen verknüpfen wir nun gerne „rot“ mit „billig“.




Rot ist nicht einfach.


Es ist also kein Wunder, dass Rot eine Farbe ist, die spaltet. Ich möchte sie sogar „politisch“ nennen.

Dennoch möchte ich keine Farbe aus meinem Repertoire ausschließen. Wir haben die Fähigkeit, zig Varianten eines Tones wahrzunehmen und auch herzustellen. Und wir können Kontexte verstehen, anders zuordnen und damit spielen.








Rot im Haus







Es ist noch nicht so lange her, da hat mich beinahe jeder Neubau mit schiefergrauen Fliesen und einer roten Wand im Flur begrüßt. (Inzwischen sind die meisten dieser Wände wieder weiß oder in einem der angesagten Taupetöne gestrichen.)


Jedes hat seine Zeit. Und im Moment ist Rot nicht sehr en vouge. Die Rotbraunrosa-Terracotta-Töne würde ich nur am Rande hinzuzählen.

Auch das fließt in eine Entscheidung für oder gegen eine Farbe mit ein. Nicht einmal ein Profi wie ich kann sich davon gänzlich freimachen.



Ein roter Salon sieht im Schloß sehr elegant, vielleicht sogar mondän aus, in einem 150 qm Einfamilenhaus wird ein komplett rot gestrichenes Wohnzimmer die Bewohner nicht sehr lange glücklich machen.

Die Wände rücken dafür einfach zu nah.



Aber Rot gibt einen Kick. Die Dosis macht es.


Ein roter Läufer auf der Treppe nach oben - ja, ich meine den, den meine und Ihre Oma hatten - ist eine hübsche Unterbrechungen Ihrem sehr monochrom-elegant gestaltetem Haus. Es bringt Leben in die Bude. Es unterbricht eine sonst vielleicht langweilige Fläche.



Und es kann sehr gut den Blick umlenken.


Es gibt in fast jedem Haus eine Stelle, die nicht so schön ist, die aber gerade noch nicht dran ist mit dem Renoviertwerden. (Sie wissen schon, die schäbigen Fliesen, aber der geliebte Hund ist alt und nicht mehr ganz dicht, da wartet man noch... oder die Heizkörper müssten mal lackiert werden, aber da man nächstes Jahr sowieso an die energetische Sanierung des Hauses gehen will... die Liste ließe sich beliebig ergänzen.)


In der Zwischenzeit probieren Sie es ruhig mal damit, den Blick einfach davon abzulenken. Rot ist dazu hervorragend geeignet. Eine rote Vase, ein rotes Poster, ein rotes Kissen - das löst natürlich nicht das Problem, ist aber für eine Übergangszeit eine gute Idee.






Reden wir erst einmal über den Rot-Ton.


Das, was wir gemeinhin als „Rot“ verstehen, ist eine klare, brilliante Farbe, die weder in‘s Blaue noch in‘s Gelbe hineinspielt. (Dieses Rot hat nichts mit dem reinem Rot zu tun, das die Drucker „Magenta“ nennen und uns eher wie ein wildes Pink erscheint.)


Dieses Rot, das Sie aus dem Farbkasten heraussuchen würden, wenn ich Sie bäte, mir ein Rot zu zeigen, taugt als Wohnfarbe nicht viel.


Ja, gerne als Kabel für eine Leuchte. Vielleicht als Kissen oder Kuscheldecke. Unbedingt als Vase. Und unverzichtbar im Dezember zur Weihnachtsdeko, weil es zum Tannengrün einen herrlichen Kontrast bildet.


Es gibt aber immer die Bilder von z.B. der roten Küche, die unglaublich sexy daherkommt und wo auch ich sage: „Yeah, cool!“.

Aber wie lange?


Wenn Ihr Herz hüpft, machen Sie es so.


Natürlich gibt es die Menschen, die eine starke Affinität zu Rot haben und diese werden mit einer roten Küche auch in zehn Jahren kein Problem haben, sondern sich wahrscheinlich jeden Tag daran erfreuen und besonders dann, wenn Tante Heti zu Besuch kommt und sagt „ja, aber das hätte ich mich nicht getraut“ oder wenn die neuen Nachbarn das „sehr inspirierend“ finden, dann aber doch eine langweilige, weiße Standardküche kaufen und man sich der Besonderheit seines eigenen Hauses wieder bewußt wird.  



Für alle anderen gilt: vornehme Zurückhaltung und kluge Auswahl der Nuancen.


Im vergangenen Jahr hatte ich die sehr schöne Aufgabe, einen Fabrikanten-Bungalow aus den 60ern auf Vordermann zu bringen. Das Haus selbst ist wunderschön und die Architektur hat mich sofort begeistert. Seine Bewohner sind ausgesprochen gebildete und kunstaffine Menschen.


Von den so beliebten Taupe-Tönen, die man hier vermuten würde, waren sie gar nicht angetan. Farbe sollte schon sein. Also haben wir das Sofa in einem tiefrot-gemustertem Stoff neu bezogen, der zu dem dunkelroten, hochglänzend lackierten Couchtisch passt. Zwei kleine Sesselchen kamen dazu, auch die in einem Rot, aber in einem deutlich hellerem Ton. Diese stehen übrigens bei einem Sideboard, das zu dem Couchtisch paßt.


Alles steht auf einem beigen Teppichboden, die Wände sind mit feiner Moirée-Tapete bezogen, es gibt helle Seidenvorhänge und antike Möbel aus Nussbaum.

Und es sieht top aus:


Eklektisch, elegant, einmalig.


Nicht laut und überhaupt nicht bunt.

(Sobald ich die Genehmigung zum Zeigen von Bildern erhalten, werde ich sie hier einfügen.)


So, werden Sie nun sagen: da erzählt sie uns nun lang und breit davon, dass sie weder ein rotes Sideboard noch ein rotes Sofa mag und dann macht sie genau das bei ihren Kunden!

Ja, was denn nun?


Weil Rot in den richtigen Nuancen eine tolle Farbe ist, mit der man wunderbare Wohnwelten schaffen kann - es kommt eben immer auf das Zusammenspiel der Einzelteile an.

Weil diese Kunden Rot lieben.

Und ich wäre eine sehr schlechte Beraterin für Sie, wenn ich meine Lieblingsfarben über Ihr persönliches (Farb-) Empfinden stellen würde.


Sie wissen genau, was Ihnen gefällt. Und Sie haben eine ungefähre Vorstellung von dem, wie Ihr Zuhause aussehen soll. Aber das sind nur einzelne Puzzelteile. Ich kann diese Teile so zusammensetzen, dass ein Bild daraus wird. Ich weiß, mit was man die fehlenden Teile ergänzen kann und auch, wo man sie bekommt. Und ich sage Ihnen auch ganz offen, wenn ein Teil nich passt, auch wenn Sie das unbedingt einsetzen wollen.



Räume, Häuser, Wohnungen sind so einzigartig wie Ihre Bewohner.



Es gibt leider kein allgemein-gültiges Rezept, sondern nur individuelle Lösungen.

Ja, es gelten Gestaltungsgrundregeln und die sind nicht gewürfelt. Aber es gibt meist mehr als eine Möglichkeit, einen Raum besonders schön zu machen. Es ist eben nicht Mathematik.



Wenn ich hier über Farben schreibe, möchte ich Ihnen meine Begeisterung für das Thema nahebringen und Ihnen hoffentlich etwas Interessantes über den gesellschaftlichen Kontext und über die Bedeutung der Farbe zu erzählen.

Tatsächlich könnte ich Ihnen noch viele Geschichten über Rot erzählen (warum die Ferraris rot sind, beispielsweise), aber jetzt soll es endlich praktisch werden:






Rot kombinieren



Nachfolgend also ein paar Beispiele und die Aufforderung, in die Farbkiste zu greifen und Ihrem eigenem Empfinden zu vertrauen.







Rot mag Taupe.


Sollten Sie ein rotes Sideboard wünschen - und Sie werden in dem Einrichtungshaus Ihres Vertrauens sicherlich günstig ein Ausstellungsstück erwerben können - geben Sie ihm einen kleinen Dämpfer. Taupe eignet sich hervorragend dafür.


Das ist ein bisschen wärmer als Grau, der Kontrast nicht so hart. Und die meisten Rottöne zeigen sich in der dieser Kombination von ihrer feinen Seite und legen die Versuchung beiseite, allzu laut zu werden.




Rot liebt anderes Rot.


Nanu? Wundern Sie sich vielleicht. Tatsächlich lassen sich Rottöne untereinander oft viel leichter kombinieren als Blautöne. Rot geht entweder in‘s Bläuliche oder in‘s Gelbliche. Suchen Sie eine Kombi-Farbe aus dem gleichen Spektrum, gibt es kein Problem.

(Bei Blau finden Sie die violetten Blaus, die grünlichen Blaus, die schwarzen Blaus, die grauen Blaus...das ist viel komplexer.)


Ich glaube, dieser Irrglaube, dass sich Rot schlecht mit anderen Rottönen kombinieren läßt, gründet darin, dass viel Rot eben schnell zu viel Rot ist.






Rot und Schwarz.


Ist klassisch. Sowohl in der Mode als auch bei einer Einrichtung. Aber für mein Empfinden einfach zu archaisch, auch wenn es von den meisten Menschen gerne so kombiniert und eher als „klassisch“ eingestuft werden wird. (Wie schon oben geschrieben.)


Es wird wohl niemand auf die Idee kommen, diese Kombi als unelegant zu titulieren. Weiße Bluse, schwarze Hose und rote Fingernägel, das funktioniert immer und entspricht unseren Sehgewohnheiten. Auch davon können wir uns nicht so einfach lösen.


Dennoch: da haben wir das ganze Farbspektrum und zu Rot fällt einem nichts anderes ein als Schwarz oder Weiß? Es ist schlicht eine Kombi, mit der man sich auf der sicheren Seite wägt.

Ja, kann man machen. Mann kann sich aber auch mehr Mühe geben.




Rot und Grau.


Natürlich. Aber wie schon geschrieben, empfinde ich einen Taupe-Ton - der mehr ins Grau als ins Braun geht - hier als raffinierter. Auch sind hellere Nuancen schöner als dunkle (da ist man ja fast wieder beim Schwarz.)




Rot und Weiß.


Bei allen klaren Farben in der direkten Kombination mit Weiß denke ich spontan an gestreifte Zelte oder Sonnenschirme am Strand.

Klare Farben mit Weiß sind immer frisch und wirken fröhlich und unbeschwert. Für ein Ferienhaus wäre ich auch sofort dabei. Oder für ein Kinderzimmer. Aber so ausschließlich werden Sie das sicher auch nicht kombinieren wollen.


Wenn Sie Weiß als Grundfarbe an den Wänden haben, ist das natürlich anders zu beruteilen. Das ist nie falsch (man kann es allerdings mit einem etwas abgetönten Weißton eleganter machen).





Der Klassiker: Rot und Grün


An was denken Sie zuerst? Ein Klatschmohnfeld oder Weihnachten?


Der klassische Komplementär-Kontrast verfehlt niemals seine Wirkung. Komplementär heißt, dass sich diese beiden Farben auf dem Farbkreis nach Itten gegenüber liegen, d.h. sie sind am weitesten voneinander entfernt, da ist natürlich Spannung angesagt.


Auch hier entscheiden Dosis und Farbton über Gelingen oder Grauen.

Zu hell ist einfach zu laut. Denken Sie lieber an die Nordmanntanne als frisches Maigras und alten Bordeaux statt Tomaten.





Rot und Gelb.


Wenn wir ein klares Rot und ein klares Gelb haben, bekommen wir eine Kombi, die ein Vierjähriger toll finden wird. Sieht ein bisschen so aus wie der König im Kasperl-Theater.


Nehmen Sie aber ein blasses Rot und ein Ockergelb, oder einen ganz dunklen Rotton und ein cremiges Gelb erhalten Sie eine warme, elegante Kombi.





Rot und Blau.


Das ist ähnlich wie mit Gelb: zwei Primärfarben sind ein echter Knaller.


Tönen Sie aber nun das Blau ab, bekommen Sie eine klassische Aussage: 

Ein satt dunkelblaues Sofa mit ein paar hellroten Kissen und einer blau-rot gemusterten Decke lädt zum Verweilen ein.


Oder wählen Sie einen tiefen Rotton und ein helleres Blau, auch das wird eine spezielle Aussage bekommen.


Die Franzosen sind hier übrigens richtig gut. Ich habe in diversen Stoffmusterbüchern von französischen Textilverlagen Muster in dieser Kombination gesehen, die höchst elegant und sehr speziell sind.




Rot und Lila.


Ui, was für Mutige.

Wenn wir über zwei Vasen reden oder zwei Leuchten bin ich sofort dabei. Oder auch eine Reihe von Stühlen. Kann ich mir sogar in einer gedämpften Variante als Teppich vorstellen.

Gilt auch für Rot und Orange.

Und das geht, weil diese Töne auf dem Farbkreis nebeneinander liegen, also die eine Farbe Bestandteil der anderen ist. Aber man muss sich ein bisschen damit beschäftigen und pingelig wählen. 



Rot und Braun.


Igitt. Bitte nicht.


Nein, das sollte ich nicht sagen. Es gibt sicher den einen Braunton, der den einen Rotton fördert und strahlen läßt.

Bestimmt.





Rot liebt Holz.


Gerne die hellen Hölzer wie Eiche und Buche. Kirschbaum ist meistens ein bisschen zu orange und der Ahorn wird im Laufe seines Lebens recht gelb, das gilt es bei der Auswahl des Rot-Tons zu berücksichtigen.


Auch Nussbaum verändert sich stark: ist er zunächst beihnahe gräulich, bekommt er mit UV-Licht einen sehr goldenen Ton. Alle werden zu einem Rot passen, aber man sollte tatsächlich eine “neues“ und ein „altes“ Holzmuster zur Hand haben.








Konnte ich Sie für Rot erwärmen?


Trauen Sie sich ruhig. Sie müssen ja nicht gleich die neue Küche in rot bestellen. Aber denken Sie mal über den roten Läufer im Flur nach. Oder die Vase.


Wenn Sie aber Rot sehen und sich alleine nicht an diese Farbe - oder eine andere - herantrauen, rufen Sie mich an.


Warme Grüße

Ihre

Nicola Bushuven